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Was, wie und warum essen bei Fruktose-Intoleranz?

Fruktose-Intoleranz

Fruktose-Unverträglichkeit ist weiter verbreitet, als du vielleicht jetzt denkst. Wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, warum sie manchmal gar nichts davon wissen und was du mit einer Fruktose-Intoleranz noch essen kannst, erklären wir dir umfassend in diesem Artikel.

Was ist Fruktose-Intoleranz?

Fruktose-Intoleranz hat neben dieser viele weitere Bezeichnungen:

  • Fruchtzucker-Intoleranz
  • Fruktose-Unverträglichkeit
  • Fruktosemalabsorption

und wird wahlweise mal mit c und mal mit k geschrieben. Was aber immer gleich ist, ist die Tatsache, dass dieses Krankheitsbild vollkommen unterschätzt wird.

Wenn wir die Anzahl der Betroffenen mit einer Fruktose-Intoleranz mit den Betroffenen, die an einer Laktose-Intoleranz leiden, vergleichen, sind Erstere deutlich mehr. Trotzdem ist die Laktose-Unverträglichkeit viel bekannter.

Woran liegt das? Zumindest zum Teil daran, dass Betroffene gar nicht wissen, dass sie betroffen sind. Denn Symptome einer Fruktose-Unverträglichkeit sind vor allem eins: unspezifisch.

Was passiert im Körper?

Um die Symptome besser verstehen und einordnen zu können, lohnt es sich im ersten Schritt darauf zu schauen, was bei einer Fruktose-Unverträglichkeit im Körper passiert.

Konkret hakt es an der Aufnahme des Fruchtzuckers vom Darm ins Blut. Denn der Transporter, ein körpereigenes Eiweiß, der für den Transfer von Fruktose ins Blut zuständig ist, macht nicht, was er soll. Zumindest nicht in einem ausreichenden Maße.

Stell dir eine Fruktose-Intoleranz so vor, dass viele kleine Fruktose-Männchen am Bahnhof stehen, aber nur vereinzelt Taxis verfügbar sind, die sie zum Zielort (in diesem Fall zur Blutbahn) bringen. Manche Taxis (Eiweiße) kommen zwar und holen die Passagiere ab, doch trotzdem bleiben wartende Gäste zurück, weil es einen Taxi-Engpass gibt.

Was tun die wartenden Fruktose-Männchen also? Sie schauen sich die Gegend an und gehen zu Fuß weiter. Auf den Körper übertragen wandern sie in den Dickdarm und produzieren dort Gase, die wiederum für Völlegefühl oder Blähungen sorgen.

Welche Formen der Fruktose-Intoleranz gibt es?

Warum aber stehen zu wenige Eiweiße zur Verfügung und transportieren die Fruktose nicht in die Blutbahn?

Das kann unterschiedliche Gründe haben. Entweder liegt die Ursache nur temporär vor, das ist zum Beispiel häufig nach einer Antibiotika-Einnahme der Fall. Oder aber die Anzahl der Transport-Eiweiße ist von Geburt an zu niedrig. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer intestinalen Fruktose-Intoleranz.

Bei der sogenannten HFI, der hereditären Fruktose-Intoleranz ist es sogar so, dass durch eine erbliche Störung ein bestimmtes Enzym fehlt und Fruktose gar nicht abgebaut werden kann. Liegt diese Form vor, muss eine besonders strenge fruktosefreie Ernährung eingehalten werden.

Noch einmal in der Übersicht:

Intestinale Fruktose-Intoleranz Hereditäre Fruktose-Intoleranz
temporär oder angeboren erblich bedingt
leichte bis strenge Schonkost nötig strenge Schonkost nötig

Wie wird eine Fruktose-Unverträglichkeit diagnostiziert?

Ein Blähbauch an sich ist nichts, weswegen sofort der Arzt aufgesucht wird. Deswegen bleibt die intestinale Fruktose-Intoleranz häufig sehr lange unbemerkt. Die stärker ausgeprägte Form, die HFI, wird hingegen in der Regel bereits bei Säuglingen diagnostiziert.

Liegt die mildere intestinale Fruktose-Unverträglichkeit vor, kommt der erste Anfangsverdacht meist erst dann auf, wenn  Symptome wie Blähungen, Übelkeit, Bauchkrämpfe oder Durchfall vor allem nach dem Genuss von Äpfeln, Birnen oder anderen sehr fruktosehaltigen Lebensmitteln auftreten.

Kommt der Verdacht auf, kann der Arzt mittels eines Wasserstoff-Atemtests (H2-Atemtest) feststellen, ob tatsächlich eine Fruktose-Intoleranz vorliegt. Diesen Test können Betroffene auch selbst zu Hause durchführen. In Apotheken gibt es entsprechende Sets zum Selbsttest auf Fruktose-Unverträglichkeit.

Wie sieht eine fruktosefreie Ernährung aus?

Über die Ernährung können Betroffene sehr gut Einfluss darauf nehmen, wie stark die Beschwerden sind und das Risiko für Langzeitschäden an Leber und Niere nachhaltig reduzieren. Auch hier kommt es wieder auf die Art der Fruktose-Unverträglichkeit an.

Wir sehen uns die empfohlenen Ernährungsweisen für beide Krankheitsarten genauer an.

Ernährung bei hereditärer Fruktose-Intoleranz

Liegt eine erbliche HFI vor, hilft nur der komplette Verzicht auf Fruktose. Fruktose muss hier in jeglicher Form vermieden werden, also auch in Form von:

  • Saccharose
  • Sorbit
  • Invertzucker
  • Inulin

Große Einschränkungen, denn auch zahlreiche Obst– und Gemüsesorten fallen bei dieser strengen Schonkost weg.

Dennoch gibt es andere Lebensmittel, die auch für Betroffene mit einer hereditären Fruktose-Intoleranz, genießbar und meist gut geeignet sind. Zum Beispiel:

Fast immer gut verträglich sind außerdem folgende Lebensmittel:

  • Getreideprodukte
  • reine Milchprodukte
  • Nüsse
  • frisches Fleisch
  • Eier
  • Kartoffeln

Wichtig: Menschen, die an einer HFI leiden, sollten ihre Ernährung unbedingt mit einem Arzt besprechen, denn je nach Schwere des Enzymdefekts können auch Lebensmittel dieser Liste zu den weniger empfehlenswerten zählen. Pauschalaussagen sind hier leider nicht möglich. Als grobe Richtlinie empfehlen Mediziner Erwachsenen mit einer hereditären Fruktose-Intoleranz bei unter sechs Gramm Fruktose pro Tag zu bleiben.

Eine Orientierung: 100 Gramm Tomaten haben einen Fruktosegehalt von etwa 1,3 Gramm, 100 Gramm Kartoffeln lediglich 0,4 Gramm. Eine Ananas liegt pro 100 Gramm bereits bei 5,1 Gramm Fruktose.

Ernährung bei intestinaler Fruktose-Intoleranz

Grundsätzlich können Menschen mit der milderen Form der Unverträglichkeit ebenfalls auf diese Lebensmittel zurückgreifen, haben aber einen größeren Spielraum, in dem sie sich bewegen.

So wird Menschen mit der intestinalen Fruktose-Unverträglichkeit meist empfohlen, selbst herauszufinden, wie gut oder schlecht sie Lebensmittel mit einem mittleren Fruktosegehalt vertragen. Die Grenze der Verträglichkeit ist hier sehr individuell und muss zu Beginn der Ernährungsumstellung erst einmal herausgefunden werden.

Sinnvoll ist es dennoch, sehr fruktosehaltige Lebensmittel komplett zu vermeiden oder stark zu reduzieren. Konkret:

  • Haushaltszucker
  • Honig
  • Trockenfrüchte
  • Fruchtsäfte
  • Süße Weine
  • Bananen

Obst und sein Fruktosegehalt

Hier eine kleine Übersicht verschiedener Obstsorten und ihr Fruktosegehalt in 100 g:

Lebensmittel Fruktose in g / 100 g
Rosinen 34,72
Medjoul-Dattel 31,95
Jackfrucht 9,19
Trauben, rot oder weiß 8,13
Birnen 6,42
Äpfel mit Haut 5,9
Kirschen, süß 5,37
Blaubeeren 4,97
Bananen 4,85
Mangos 4,68
Kiwis, grün 4,35
Papaya 3,73
Johannisbeeren, rot und weiß 3,53
Kirschen, sauer 3,51
Wassermelone 3,36
Pflaumen 3,07
Honigmelone 2,96
Erdbeeren 2,44
Mandarinen 2,4
Brombeeren 2,4
Himbeeren 2,35
Orangen 2,25
Ananas 2,12
Cantaloupe-Melone 1,87
Grapefruit, pink und rot 1,77
Clementinen 1,64
Pfirsiche 1,53
Nektarinen 1,37
Aprikosen 0,94
Preiselbeeren 0,67
Avocado 0,12
Quelle: USDA

Individuelle Schonkost finden

Um herauszufinden, wo die persönliche Grenze liegt und wie viel Fruktose der eigene Körper gut verträgt, lohnt es sich, sich langsam heranzutasten. Dies kann beispielsweise wie folgt geschehen:

  1. Zweiwöchige fruktosearme Vollkost
  2. Schrittweise Erweiterung des Lebensmittelangebotes

Schritt 2 bedeutet konkret, dass eine Zeit lang ein neues Lebensmittel zum Speiseplan hinzukommt und die Reaktion des Körpers beobachtet wird. Treten nach einigen Tagen keinerlei Symptome auf, kann das Lebensmittel in Maßen zur Ernährung hinzugenommen werden. Kommt es während der Testphase zu Symptomen, sollte es künftig eher gemieden oder nur selten verzehrt werden.

Ein Ernährungstagebuch kann während dieser oft langwierigen Phase des Ausprobierens sehr hilfreich sein.

Fruktosefreie Tipps

Bist du selbst betroffen und möchtest weitergeben, was dir persönlich geholfen hat? Wir freuen uns über deine Tipps und Rezeptvorschläge in den Kommentaren.

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