Gesundheit, Rezepte
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Hildegard-von-Bingen-Küche – Nachhaltig und heilsam kochen

Hildegard von Bingen Küche: Nachhaltig & heilsam kochen
Gastbeitrag von Dr. med. univ. Petra Zizenbacher

Die medizinischen Schriften, die Hildegard von Bingen (1098 – 1179) uns hinterlassen hat, beschreiben eine Ernährung, wie sie in Klöstern oder in Herrscherhäusern der damaligen Zeit üblich war. Aus heutiger Sicht ist klar: Hildegard von Bingen und ihren Zeitgenossen war der Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit durchaus bewusst.

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In der aus heutiger Sicht primitiven, vergangenen Zeit, hatte man für jedes Leiden ein Heilmittel. Die Küche war ein Ort, an dem Heilsames zubereitet wurde. Betrachtet man all die lieblosen und wertlosen Fertiggerichte der heutigen Zeit, wünscht man sich achtsam Zubereitetes von damals.

Wildpflanzen und Wildkräuter als Teil der täglichen Ernährung

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Hildegard von Bingen beschreibt viele Wildkräuter, jedoch in erster Linie als Heilmittel zur äußeren Anwendung. Man kann aber davon ausgehen, dass für viele Menschen der damaligen Zeit Wildpflanzen auch Teil der täglichen Ernährung waren.

Dies scheint deshalb als logisch, weil Pflanzen, die wild wachsen, keiner Pflege bedürfen. Wildpflanzen wie Gundelrebe, Vogelmiere, verschiedene Arten von Minze, Wegeriche und Löwenzahn, um nur einige zu nennen, wachsen ohne spezielle Pflege und sind hochwertige Lebensmittel. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, wie wichtig naturbelassene Nahrung für den Erhalt der Gesundheit ist. Wildpflanzen sind reich an Vitaminen und Spurenelementen und eignen sich daher bestens für eine gesunde Ernährung.

Gesunde Ernährung ohne tierische Produkte

Seit mehr als 25 Jahren bin ich als Ärztin tätig. Ich konnte wiederholt beobachten, dass man ohne weiteres gesund werden und bleiben kann, wenn man auf tierische Produkte verzichtet.

Mutter Natur lässt Eiweiß in Form von Hülsenfrüchten wachsen. Hülsenfrüchte werden von Hildegard von Bingen hoch gelobt.

Es gibt zahlreiche Fette aus dem Reich der Pflanzen für die tägliche Ernährung. Tiere schenken uns ebenso hochwertige Fette, ohne dass wir sie töten müssen. Zur Herstellung von Heilmitteln wie Salben oder Ölauszügen eignen sich Milchfett, Pflanzenöle und Bienenwachs. Es ist unverantwortlich, selten gewordene Tiere zu töten, um aus ihnen Heilmittel herzustellen.

Fische sind ebenfalls Tiere, und die Bestände der meisten Fische sind gefährdet. Ursprünglich in Gewässern vorkommende Fische, sogenannte „autochtone Arten“, gibt es kaum noch, – und das weltweit!

Dies betrifft Fische, die im Süßwasser leben, ebenso wie solche, die im Salzwasser zu Hause sind. In europäischen Gewässern gibt es kaum noch natürlich vorkommende Fischbestände, weil durch eingeschleppte Krankheiten und Überfischung die Bestände größtenteils kollabiert sind.

Der heimische Krebs zum Beispiel wurde durch das unüberlegte Aussetzen der kanadischen Signalkrebse dramatisch gefährdet. Daher kann aus den zuvor genannten Gründen der regelmäßige Verzehr von Fisch auf keinen Fall empfohlen werden.

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Artgerechte Haltung

Wenn man ab und zu dem Verlangen auf tierische Produkte nachgeben will, sollte man darauf achten, dass die Tiere in artgerechter Haltung aufwachsen durften. Wichtig ist ebenso, dass sie ihr Leben stressfrei und würdig beenden durften.

Der Genuss von Tieren aus Massentierhaltung kann aus gesundheitlichen Gründen keinesfalls empfohlen werden.

Rotationskost gegen Unverträglichkeiten

Zu Hildegard von Bingens Zeiten wurden verschiedene Gemüse und Pflanzen in den Hausgärten angepflanzt. Mit ziemlicher Sicherheit wurden auch Wildkräuter verkocht.

Früher wurde alles verwendet, wie zum Beispiel das Grün von Rüben oder Karotten. Die Schalen der Bohnen galten als Heilmittel gegen Diabetes; sie wurden als Suppe ausgekocht. Und wie beim Getreide gab es verschiedene Landsorten. Jede Hausfrau hatte ihre eigenen, nur in ihrem Garten vorkommenden Kräuter und Gemüse. Wild wachsendes Blattgemüse wie die Melde, Brennnesseln, Ampfer und Löwenzahn wurden verkocht.

Zur damaligen Zeit war Amerika noch nicht entdeckt. Daher waren Gemüsesorten wie beispielsweise Kartoffeln, Tomaten, Kürbisarten, Auberginen und Paprika usw. noch völlig unbekannt. Um Unverträglichkeiten zu vermeiden, empfehle ich eine sogenannte „Rotationskost“. Täglich sollte man eine andere Gemüsepflanze genießen.

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Nachhaltig und heilsam kochen

Das Buch „Hildegard von Bingen Küche: Nachhaltig & heilsam kochen*“ will eine Inspiration sein, sich selbst Mahlzeiten zuzubereiten, die nachhaltig und gesund sind. Einige – als App herunterladbare – Kurzfilme erläutern die Zubereitung.

Hier zwei Kostproben:

Brennnessel-Bärlauch-Suppe

Brennnessel-Bärlauch-Suppe

Brennnessel-Bärlauch-Suppe

Zutaten:

  • ½ Liter Wasser, eventuell 1/16 Liter Weißwein
  • 2 EL Dinkelmehl
  • 1 doppelte Handvoll Brennnesseln und Bärlauch
  • Gehackte, geröstete Haselnüsse, eventuell etwas süße Sahne
  • Gewürze: Salz, Muskat, Galgant

Zubereitung:

Dinkelmehl trocken rösten, bis es duftet. Danach mit Wasser und Wein unter ständigem Rühren aufgießen. Kurz köcheln lassen. Dann die fein geschnittenen Kräuter hinzugeben. Die Suppe kurz köcheln lassen und pürieren. Anschließend mit den Gewürzen abschmecken. Vor dem Servieren mit gerösteten, gehackten Haselnüssen bestreuen.

Apfelspatzen

Apfelspatzen

Apfelspatzen

Zutaten:

  • 1 Schale feines Dinkelmehl,
  • Salz, Wasser nach Bedarf,
  • Butter, Äpfel (in Spalten geschnitten),
  • Honig und Nüsse

Zubereitung:

Das Dinkelmehl mit Salz und Wasser zu einem Teig verrühren, aus dem sich leicht Nockerl formen lassen. Das Wasser etwas salzen und zum Kochen bringen. Nun mit einem Teelöffel Nockerl formen und ins heiße, nicht mehr kochende Wasser geben. In einer Pfanne Butter schmelzen und anbräunen. Dann die geschnittenen Apfelspalten dazugeben und zugedeckt knackig weich dünsten. Anschließend die fertigen Nockerl dazugeben. Mit Honig und Nüssen bestreut servieren.

Die Autorin

Dr. med. univ. Petra Maria ZizenbacherDie Wiener Ärztin Dr. med. univ. Petra Maria Zizenbacher, Jahrgang 1964, arbeitet seit 1996 als Ärztin für Allgemeinmedizin in freier Praxis. Sie wendet bei der Behandlung von körperlichen Beschwerden verschiedene naturheilkundliche Methoden aus der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) an. Der Einsatz von heimischen Heilpflanzen und Gewürzen ist hierbei eine wesentliche Säule ihrer Behandlungsvorschläge. Hildegardmedizin, Ernährungsberatung, alternative Frauenheilkunde und Schröpfen runden die Therapien ab.

Sie hält in Wien laufend Kurse ab, in denen Wege zur Selbsthilfe vermittelt werden und ist Autorin mehrerer Bücher sowie einer CD.

Mehr Infos unter: www.naturheilzentrum.at

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Das Buch zum Thema

Titel: Hildegard von Bingen Küche: Nachhaltig & heilsam kochen*

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Inhalt: Die Zeit, in der Hildegard von Bingen lebte, war eine Zeit des Umbruchs. Es waren die oberen hundert, wahrscheinlich nicht einmal tausend Personen in ganz Europa, die auf diese Fülle von Nahrungsmitteln, die von Hildegard beschrieben werden, zugreifen konnten. Z.B. die Verwendung von Gold, Diamanten, Wild etc. Handwerker, Bauern, Soldaten, also eigentlich der Großteil des Volkes, musste mit dem das Auslangen finden, was der Boden oder der Wald hergaben.

Man kann aber davon ausgehen, dass bei einem Großteil der Bevölkerung Wildpflanzen Teil der täglichen Ernährung waren. Dies erscheint deshalb als logisch, weil Pflanzen, die wild wachsen, keine Pflege brauchen und gratis sind.

In dem vorliegenden Buch stelle ich 55 Rezepte vor, die aus Zutaten bestehen, die den meisten Menschen der damaligen Zeit zur Verfügung standen. Zusätzlich werden die in den Rezepten verwendeten Gewürze, Gemüse, Getreide, Obst, Wildpflanzen aus dem Blick Hildegard von Bingens beschrieben.

Herausgeber : Freya
Taschenbuch : 160 Seiten
ISBN-13 : 978-3990254134
Preis: 14,90 EUR


Hildegard von Bingen Küche: Nachhaltig & heilsam kochen

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Fotos: Irene Schaur
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