In den letzten Jahren hört man immer wieder von Menschen, die auf Chlorella als Heilmittel oder Nahrungsergänzungsmittel schwören.
Sind diese winzigen, knallgrünen Einzeller wirklich so gesund? Die kurze Antwort: Chlorella liefert Protein und Mineralstoffe, wegen der kleinen Tagesmenge bleibt der Nutzen aber gering, und den Welthunger löst sie nicht.
Was ist eigentlich Chlorella?
Bei Chlorella handelt es sich um nur etwa 5 Mikrometer kleine Süßwasseralgen, die weltweit vorkommen. Ihre intensive grüne Farbe erhält Chlorella durch das Chlorophyll a und b, das sie in großen Mengen enthält. Ihr Name stammt aus dem Lateinischen und bedeutet auf Deutsch in etwa „junges, frisches Grün“.
Die Gattung Chlorella umfasst etwa 13 Arten, wobei die Chlorella Vulgaris und die Chlorella Sorokiniana die bedeutendsten sind. Die Photosynthese wurde vom amerikanischen Wissenschaftler Melvin Calvin beispielsweise an dieser Mikroalge erforscht.
Da die Gewässer, in denen Chlorella in der Natur vorkommt, häufig stark verschmutzt sind und der Anbau relativ leicht ist, züchtet man sie schon seit längerer Zeit künstlich. In Klötze in der Altmark wurde 1999 eine Produktionsstätte eröffnet, wo die Alge in einem Glasröhrensystem kultiviert wird.
Generell kann sie fast überall hergestellt werden, allerdings wächst sie in warmen Gebieten schneller als in kühleren Gegenden. In Südostasien und Teilen Amerikas, in denen ideale klimatische Bedingungen herrschen, baut man Chlorella bereits seit den 1950er Jahren erfolgreich an.
Wie wird Chlorella hergestellt?
Nachdem die Minialgen in Süßwasserbecken herangewachsen sind, werden sie geerntet und durch ein Sprühverfahren getrocknet. Wichtig ist anschließend das Aufbrechen der Zellwände, bei denen ein spezielles Verfahren angewendet werden muss.
Danach werden sie zu Pulver gemahlen und in Kapsel- beziehungsweise Tablettenform gepresst.
Wofür wird die Alge benutzt und wie wertvoll ist sie für die Ernährung?
Chlorella kommt hauptsächlich in der alternativen Medizin, als Nahrungsergänzungsmittel und in der Kosmetikbranche zum Einsatz.
So nutzen Heilpraktiker sie unter anderem zur Entgiftung. Sie sollen beispielsweise helfen, das Quecksilber aus dem Körper zu leiten, wenn Amalgam aus den Zähnen entfernt wird. Häufig greifen Veganer zu Chlorella, weil sie darin eine Quelle für Vitamin B12 vermuten. Sie besitzt außerdem ungesättigte Fettsäuren, die gegen hohen Blutdruck, Cholesterin, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Arteriosklerose helfen sollen. Ferner wird den Algen eine positive Wirkung auf den Darm und den Körper- sowie Mundgeruch zugeschrieben. Sie werden oft als „Alleskönner mit hohem Nährstoffgehalt“ betitelt.
Fakt ist, dass Chlorella je nach Quelle etwa 50 bis 60 % Protein in der Trockenmasse enthält und Mineralstoffe wie Kalzium, Eisen, Zink und Magnesium bietet. Als verlässliche B12-Quelle taugt Chlorella allerdings nicht: Algen enthalten häufig sogenannte B12-Analoga, die der Körper nicht verwerten kann und die die Aufnahme des echten Vitamins sogar stören können. Die enthaltenen Mengen schwanken zudem enorm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät Veganern deshalb, dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einzunehmen und die Versorgung regelmäßig ärztlich überprüfen zu lassen.
Chlorella gilt als gut verträglich, kann bei zu hoher Dosis aber Durchfall, Übelkeit oder Kopfschmerzen auslösen. Als Superfood oder Wundermittel lässt sie sich realistisch betrachtet nicht bezeichnen. Üblich sind Mengen von 3 bis 10 g pro Tag, und weil das wenig ist, bleibt der Nutzen vergleichsweise gering.
Wenn Du Dich also gesund ernähren möchtest, solltest Du lieber eine Portion Brokkoli oder Spinat zu Dir nehmen. Allein aufgrund der größeren Menge, die man davon isst, bieten diese heimischen Gemüse wesentlich mehr Vorteile für den menschlichen Organismus als die Super-Algen.

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