Gesundheit
Schreibe einen Kommentar

Vitamine als Nahrungsergänzung – sind sie etwa wirkungslos?

Vitamine Nahrungsergänzung

Diese Frage überhaupt zu stellen, grenzt für manche Fans von Vitaminen und Co. schon fast an Blasphemie. Natürlich sagen sie und das im doppelten Wortsinne. Vitamine sind natürliche Substanzen, es sind Bio-Moleküle, die der Körper unbedingt braucht, um alle wichtigen Lebensabläufe am Laufen zu halten.

Das ist auch unbestreitbar richtig. Müssen wir deshalb aber auch Vitamine in jeder Lebenslage noch extra zuführen, um Krankheiten wie zum Beispiel Herzinfarkt zu vermeiden? Oder reicht eine gesunde vitaminreiche Ernährung völlig aus.

An dieser Frage scheiden sich häufig die Geister. Deshalb gingen Wissenschaftler in einer groß angelegten Literatur- und Datenbankanalyse dieser Frage am Beispiel von Herz- Kreislauf-Erkrankungen akribisch nach.

Korrelation darf nicht mit Kausalität gleichgesetzt werden

Es geht in der Analyse also um die Frage, ob die zusätzliche Einnahme von bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.

Hintergrund für solche Analysen sind Beobachtungen von Epidemiologen, dass sich der Verzehr von Obst und Gemüse, aber auch von einzelnen Vitaminen und Mikronährstoffen positiv auf die Gesundheit von Herz und Kreislauf auszuwirken scheint.

Als großer Schwachpunkt solcher epidemiologischen Studien gilt, dass sie keine Kausalitäten, sondern immer nur Korrelationen feststellen können.

Konkret wird in machen Studien beobachtet, dass der Verzehr von Multivitaminen mit einem verminderten Herzinfarkt-Risiko einhergeht. Unbeantwortet muss jedoch bei noch so gut durchgeführten epidemiologischen Studien die Frage bleiben, ob die Multivitamine für den Effekt verantwortlich sind oder doch eher ein gesundheitsbewusster Lebensstil der Vitaminkonsumenten.

Soll die Frage nach der Ursächlichkeit beantwortet werden, müssen Studien durchgeführt werden, wie sie für die Erforschung von Arzneimitteln üblich sind. In solchen Interventionsstudien wird das zu untersuchende Präparat, in diesem Fall also ein Multivitamin, unter kontrollierten Bedingungen den Studienteilnehmern verabreicht.

Später, das können Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre sein, wird untersucht, ob durch die Gabe des Präparates ein Gesundheitseffekt eingetreten ist. Sind sonst alle Rahmenbedingungen bei den Versuchspersonen gleichgeblieben, ist der beobachtete Effekt mit hoher Wahrscheinlichkeit kausal auf das Prüfpräparat zurückzuführen.

Solche Studien gibt es durchaus zur Frage, ob die Einnahme von Multivitaminen und Mineralstoffen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall senken kann. Allerdings ist in einer gemeinsamen Auswertung aller publizierten Studien kein Einfluss der Multivitamine auf das Erkrankungsrisiko nachweisbar. Die in den Studien geprüften Vitamine und Mineralstoffe waren also mit hoher Wahrscheinlichkeit hinsichtlich des erhofften präventiven Effekts wirkungslos.

Gesunde Menschen werden durch Multivitamine nicht gesünder

Gilt dieses für die Freunde von Vitaminen so ernüchternde Ergebnis nun für jede Lebenssituation? Nein sicher nicht, es gilt zunächst nur für die in der Regel gesunde Normalbevölkerung, die in den erwähnten Studien untersucht wurde.

Für Risikogruppen oder Menschen in besonderen Lebenssituationen, die in den Studien unberücksichtigt blieben, gilt das Ergebnis so nicht und müsste in weiteren Studien speziell untersucht werden.

Das Ergebnis der hier aufgezeigten Studienanalyse zeigt nur, dass Gesunde durch Vitamine nicht gesünder werden.

WERBUNG

Fazit

Für die Gesundheitsvorsorge gesunder Menschen reicht in der Regel eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse aus, um Krankheitsrisiken vorzubeugen.

Besondere Lebenssituationen, die einen erhöhten Bedarf an Vitaminen erwarten lassen, chronische Mangelversorgung durch falsche Ernährung oder spezielle Erkrankungen, rechtfertigen die zusätzliche Einnahme von Vitaminpräparaten aus prophylaktischen Gründen.

Studie

„Mortalität in randomisierten Studien von Antioxidantien Ergänzungen für primäre und sekundäre Prävention, systematische Überprüfung und Meta-Analyse.“

Goran Bjelakovic, Dimitrinka Nikolova, Lise Lotte Gluud, Rosa G. Simonetti und Christian Gluud.

JAMA 2007; 297: 842-857.

Vol. 297 Nr. 8, 28. Februar 2007

Vitamine Nahrungsergänzung

Pin it!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wenn Du wissen möchtest, welche Daten wir beim Hinterlassen eines Kommentars speichern, schau bitte in unsere Datenschutzerklärung.