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Veganismus: Was ist das eigentlich?

Verganismus

Jeder zehnte Deutsche lebt vegetarisch, gut ein Prozent sogar vegan.

Aber was ist das eigentlich, die vegane Ernährungsweise? Wo liegt der Unterschied zum Vegetarier und was darf und soll auf einem veganen Speiseplan stehen? Drohen beim Verzicht auf tierische Produkte Mangelerscheinungen?

Wir bringen Licht ins Ernährungsdunkel 🙂

Gründe, vegan zu leben

Regelmäßig veröffentlicht der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) aktuelle Zahlen zur Verbreitung der vegetarischen und veganen Lebensweise. Marktforschungsinstitute ermitteln die Verbreitung verschiedener Ernährungsformen mithilfe breit angelegter Studien und Befragungen. Im Ergebnis zeigen sie alle einen klaren Trend zum Veganismus.

Demnach gibt es derzeit knapp acht Millionen Vegetarier in der Bundesrepublik, rund 900.000 Deutsche ernähren sich vegan. Es ist also durchaus ein großes Thema, über das sich zu sprechen lohnt, denn der Anteil der Veganer in der Bevölkerung steigt Jahr für Jahr an.

Gründe für diese besondere Lebensweise, die im Zuge der Freikörperkultur erstmals in Deutschland auftrat, gibt es viele. Allen voran stehen moralische Beweggründe, kein tierisches Lebewesen oder dessen Erzeugnisse zu verzehren, der Umweltschutz oder gesundheitliche Aspekte.

Dass ein zu hoher Fleischkonsum langfristig schädlich für den Körper sein kann, zeigen jüngste Veröffentlichungen aus der Wissenschaft. Die Umweltbelastung ist in erster Linie auf eine stark expandierende Massentierhaltung zurückzuführen. Erderwärmung, Rodung von Waldflächen und das Hochzüchten möglichst nahrhafter Getreidepflanzen als Viehfutter sind in der Tat ein Problem. Hier würde jedoch auch der Umstieg auf eine nachhaltige, ökologische Vieh- und Landwirtschaft eine Trendwende bewirken. Der Umwelt zuliebe vegan zu leben ist kein Muss.

Vielleicht fragst du dich, warum der Verzicht auf Milch dem Tierschutz zuträglich ist, wo die Kuh selbst doch hierfür nicht getötet wird?

Hier müssen wir in größeren Zeitetappen denken, denn natürlich schlachtet kein Milchbauer seine Milchkuh, die Tag für Tag seine Einnahmen sichert. Doch auch hier kritisieren Veganer die vermehrte Tiertötung und das aus einem einfachen Grund. Da nicht nur weibliche Kühe geboren werden und die männlichen Kälbchen nicht zur Milchproduktion taugen, werden sie tatsächlich oft früh geschlachtet. Männliche Küken erleiden ein ähnliches Schicksal – da sie keine Eier legen, werden sie häufig bereits am Tag der Geburt vergast. Diese und andere Gründe sind es, die viele Veganer als ausschlaggebenden Punkt für ihre gewählte Ernährungsweise angeben.

Veganer und Vegetarier: keineswegs gleich

Was isst man eigentlich als Veganer? Und sind Vegetarier und Veganer dasselbe? Wer sich bisher noch nicht näher mit der fleischlosen Ernährung beschäftigt hat, kann bei diesen Fragen schon mal ins Straucheln kommen.

Vegetarismus und Veganismus werden häufig verwechselt. Dabei ist der Unterschied ganz klar – wenn er einmal verstanden wurde. Anhänger beider Ernährungsformen verzichten zwar auf tierische Produkte, aber in unterschiedlichem Ausmaß.

Grob umrissen vermeiden Vegetarier alles vom toten Tier. Schnitzel, Wurst und Lachsfilet kommen also nicht mehr auf den Teller. Zumindest nicht beim konsequenten Ovo-Lacto-Vegetarier, Zwischenstufen gibt es natürlich ebenfalls.

Veganer gehen einen Schritt weiter und streichen auch tierische Erzeugnisse vom lebenden Tier vom Speiseplan. Eine vegane Ernährung ist frei von allen Produkten, für die Tiere ausgebeutet und getötet werden. Veganer essen also weder Rührei noch trinken sie Kuhmilch. Das klingt zunächst nach drastischem Verzicht, muss die Vielfalt des eigenen Essens aber nicht unbedingt einschränken.

Wie ernähren sich Veganer?

„Was darf man als Veganer eigentlich noch essen?“, fragen viele mit entgeistertem Blick, wenn sie zum ersten Mal mit dieser Lebensform konfrontiert werden. Die Antwort ist: eine ganze Menge.




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Zum einen gibt es eine große Auswahl von pflanzlichen Ersatzprodukten. Veganes Schnitzel oder veganen Käse führt heute nahezu jeder größere Supermarkt. Auch Sojaprodukte füllen die vermeintlich große Lücke; von Tofu über Seitan bis Tempeh können Veganer aus zahlreichen fleischlosen Möglichkeiten wählen.

Darüber hinaus regt die Lebensweise an, kreativ zu werden. Gut zu essen muss nicht immer gleichgesetzt sein mit dem Genuss von Fleisch. Ein Blick in die Kochtöpfe der Welt zeigt es auf den ersten Blick. In sehr vielen Ländern sind typische Delikatessen vegetarisch. Und nahezu jedes vegetarische Gericht lässt sich mit den passenden Alternativen auch vegan zubereiten. Statt Sahne aus Kuhmilch kommt Sojasahne ins Essen – ein Unterschied, den du oft gar nicht oder nur beim genauen Hinschmecken erkennen wirst.

Mangelerscheinungen müssen nicht sein

Immer wieder kannst du von den positiven Aspekten einer vegetarischen Ernährung auf die Gesundheit lesen. Beim Veganismus sind die Stimmen oft kritischer. Ernährungswissenschaftler warnen vor möglichen Mangelerscheinungen, die bei einer streng veganen Lebensweise auftreten können.

Zum Beispiel Eisenmangel. Der Körper benötigt das Spurenelement unter anderem für den Sauerstofftransport im Blut, selbst herstellen kann er es jedoch nicht. Und siehst du dir einmal die besten Eisenquellen an, findest du vor allem tierische Lieferanten. Innereien zum Beispiel enthalten viel vom wertvollen Eisen.

Zur Nahrungsergänzung müssen Veganer trotzdem nicht automatisch greifen, wenn sie wissen, wie sie ihre Eisenspeicher auch ohne tierische Lebensmittel füllen können. Grünes Blattgemüse und Hirse sind vegan und durchaus gute Eisenquellen.

Oder nehmen wir Eiweiß. Natürlich können Veganer ihren Proteinbedarf weder mit Hähnchenfilet noch mit Rührei decken. Wunderbar funktioniert es hingegen mit Kartoffeln, Kichererbsen oder Nüssen. Auch Petersilie liefert hochwertiges Protein.

Ein Mangel hingegen findet sich in der Tat gehäuft bei vegan lebenden Menschen: Vitamin-B-12-Mangel. Das Vitamin wird zur Blutbildung, zum Abbau von Fettsäuren und für weitere verschiedene Stoffwechselprozesse benötigt. Ein Mangel kann zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und langfristig zu Nervenschäden führen.

Und tatsächlich ist die Liste der veganen Vitamin-B-12-Quellen eher überschaubar. Lediglich Sauerkraut, Algen und einige Wurzelgemüse enthalten kleine Mengen – mit den tierischen Produkten wie Fisch, Leber und Eiern können sie aber bei Weitem nicht mithalten. Es ist tatsächlich nicht so einfach, mit dieser Auswahl den Tagesbedarf dauerhaft zu decken.

Veganer, die einen Vitamin-B-12-Mangel bei sich vermuten, können ihre Blutwerte beim Hausarztchecken lassen und gegebenenfalls mit Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke gegensteuern.

Abwechslung ist Trumpf

Am Ende steht ein durchaus gemischtes Fazit. Die vegane Lebensweise ist eine bewusste Entscheidung, die meist wohlüberlegt getroffen wurde. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden, auch aus gesundheitlichen Aspekten nicht.

Bedingung, dass die vegane Ernährung keinen Mangel verursacht, ist es aber den eigenen Speiseplan möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Wer die pflanzlichen Lieferanten von Eiweiß, Kalzium und Co. kennt, sollte sie bewusst und regelmäßig einplanen.

Genau das gilt im Grunde aber nicht nur für Veganer, sondern für jeden Menschen, egal wie er sich ernährt. Eine ausgewogene Ernährung kann vegan sein, muss es aber nicht. Am Ende ist es vor allem die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Lebensmittelgruppen, die zählt. Und das bewusste Auswählen gesunder Lebensmittel. Seien sie pflanzlichen oder tierischen Ursprungs.

Dies ist unser Beitrag zur Blogparade „vegangedacht„.

Foto: studioVin / shutterstock.com

3 Kommentare

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  3. Nicole sagt

    Hallo Sonja,
    das ist mal ein schöner Beitrag, der wirklich alle wesentlichen Punkte kompakt zusammenfasst. 🙂 Vegane Grüße, Nicole

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