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Arganöl: Das Gold der Berber

Arganöl

Die Arbeit ist auch im 21. Jahrhundert traditionell noch Frauensache. Die Fähigkeiten und Kenntnisse, die sie dafür benötigen, sind im November 2014 von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt worden. Die Arganeraie im Südwesten Marokkos, in der die Berber-Frauen seit Jahrhunderten Arganöl in mühseliger Handarbeit herstellen, ist ebenfalls von UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt worden.

Es spricht viel dafür, dass der Hype um das – bei uns relativ neue – Wunderöl, dem „Gold Marokkos“, mehrere gute Gründe hat.

Zwei Bäume liefern einen Liter

Die bis zu vier Zentimeter großen, eiförmigen Beeren fallen von Juli bis September reif von den Bäumen und müssen einzeln von Hand aufgelesen werden. Die Früchte von zwei Bäumen ergeben ein Liter Öl.

Und es sind keine kleinen Bäume: Die ausladende Krone hat einen Durchmesser von bis zu 14 Metern, wird bis zu 12 Meter hoch. Ihre Wurzeln bohren sich 30 Meter tief in den Boden, um bei extremen Hitzen von bis zu 50 Grad im Sommer ausreichend Wasser zu finden.

Arganbäume können ein Alter von 400 Jahren erreichen. Sie wachsen ausschließlich in Marokko. Das erklärt den Preis von bis zu 120 Euro pro Liter.

Herausragend hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren

Arbeit und Preis sind gut investiert. Auch wenn es wie bei jedem Naturprodukt schwierig ist die Inhaltsstoffe genau zu benennen, weiß man, dass Arganöl viele gesundheitsfördernde Ingredienzien hat.

100 Milligramm enthalten im Schnitt etwa:

  • gesättigte Fettsäuren: 19 g
  • einfach ungesättigte Fettsäuren: 46 g
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren: 35 g
  • Ölsäuren: 48 mg
  • Linolsäuren: 32 mg
  • Vitamin E oder Tocopherole: 74 mg
  • Provitamin A und E: 63 mg
(Link zur Quelle)

Besonders hervorstechend ist der hohe Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die für den Körper lebensnotwendig sind, aber nicht selbst produziert werden können. Wir brauchen sie, um die Funktionalität des Gehirns aufrecht zu erhalten, für den Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem. Möglicherweise können sie sogar Depressionen vorbeugen.

Einzigartige Kombination verschiedener Sterole

Tocopherole oder auch Vitamin E schützt die Zellmembranen und den Körper damit vor freien Radikalen, Umweltgiften und Bakterien. Es stärkt die Abwehrkräfte des Körpers und sorgt für einen natürlichen Schutz vor UV-Strahlen. Berber reiben sich sogar mit wenigen Tropfen Arganöl ein, um den Sonnenschutz zu verbessern.

Die Zusammensetzung der Phytosterole oder -sterine (pflanzliche Sterine) im Arganöl ist einzigartig. Es gibt weltweit kein anderes, bisher bekanntes Öl, das ein solch auffällige Kombination verschiedener Sterole enthält. Zu diesen Stoffen gehören auch Schottenol und Spinasterol, mit denen in wissenschaftlichen Versuchsreihen schon beachtliche medizinische Erfolge erzielt wurden. Sie sollen zum Beispiel die Cholesterinaufnahme im Darm mindern und so für bessere Cholesterin-Werte sorgen.

Triterpenalkohole gehören ebenfalls zu den biologisch aktiven Inhaltsstoffen. Ihnen wird nachgesagt, dass sie gut gegen Bakterien, Viren und andere Schadstoffe helfen und Entzündungsprozesse hemmen. Arganöl enthält rund sieben verschiedene Triterpenalkohole.

Arganöl im Food und auf der Haut

Rezepte für das leicht nussig schmeckende Arganöl finden sich inzwischen zuhauf im Internet. Grundsätzlich könnte es auch zum Braten verwendet werden, dabei werden allerdings wertvolle Inhaltsstoffe zerstört. Außerdem ist das bei dem Preis auch eine Frage der Ökonomie.

Das Öl kann – wie schon bei den Berbern – auch äußerlich verwendet werden. Schon ein paar Tropfen im Gesicht verrieben, können zum Beispiel helfen, lästige Akne loszuwerden.

Maschinelle Produktion von Arganöl

Die gestiegene Nachfrage nach Arganöl hat inzwischen auch die jahrhundertealte Herstellung verändert. Maschinen rütteln die Bäume, Netze fangen die Beeren auf. Den Rest macht die Industrie. Richtiges handgemachtes Bio-Arganöl kann das allerdings nicht ersetzen.

Arganöl

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Kategorie: Lebensmittel

von

Holger Schöttelndreier

Freier Journalist und Autor. Jahrelange Erfahrung in Führungspositionen (Print und Online). U. a. Büroleiter BILD, Chefreporter Hamburger Morgenpost, Ressortleitung und Chefredaktion TV Hören + Sehen, Chefredakteur WOM Magazin, Objektleiter Wirtschaftsmedien online Heinrich Bauer Verlag.

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