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Ein Land voller Lebensmittel-Allergiker? Ein Faktencheck

Lebensmittel-Allergie

Hört man sich hierzulande um, kann man schon den Eindruck gewinnen, wir seien ein Land voller Allergiker, speziell Lebensmittel-Allergiker. Dieser erste Eindruck wird täglich durch einen Blick in das Lebensmittelregal eines Supermarktes und durch Gespräche in der Betriebskantine oder Uni-Mensa bestätigt. Dreht es sich doch allzu häufig um Lactose-Intoleranz oder Gluten-Unverträglichkeit. Entsprechend sind die Regale von Supermärkten voll mit Lactose- und Gluten-freien Produkten.

Woran liegt es, dass wir plötzlich als ein Land der Lebensmittel-Allergiker erscheinen? Haben die Lebensmittel-Allergien in den letzten Jahren zugenommen, sind sie auf unsere moderne Lebensweise zurückzuführen? Oder hören wir nur mehr davon?

Hier einige Fakten zum Thema, die deutsche und amerikanische Forscher kürzlich veröffentlicht haben.

Sind wir ein Land voller Allergie-Hypochonder?

Sowohl in den USA wie auch in Deutschland glaubt einschlägigen Studien zufolge etwa jeder fünfte Erwachsene an einer Lebensmittelallergie zu leiden. Wird das bei den Betroffenen durch Ärzte näher hinterfragt, halbiert sich die Zahl der potenziellen Lebensmittelallergiker auf etwa jeden zehnten Erwachsenen. Diese Zahl wird nochmals halbiert, wenn es um die durch Allergietests nachgewiesenen Lebensmittelallergien geht.

So bleibt also festzuhalten, dass tatsächlich nur etwa jeder 20. Erwachsene unter einer nachgewiesenen und etwa jeder 10. unter einer wahrscheinlichen Lebensmittelallergie leidet.

Die häufigsten Auslöser von Lebensmittelallergien sind nach der aktuell gültigen Deutschen Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien bei Kindern und Erwachsenen unterschiedlich. Bei Kindern und Jugendlichen werden am häufigsten Nussallergien (Erdnüsse gefolgt von Haselnüssen und Walnüssen) beobachtet, während Erwachsene häufiger an Weizen(Gluten)- und Soja-Unverträglichkeiten leiden.

Allergien gegen Milch (Lactose) und Eier werden beim Erwachsenen kaum beobachtet. Dafür aber häufiger bei Kindern und Jugendlichen. Allergien gegen Fisch und Meeresfrüchte werden bei Erwachsenen und Kindern zahlenmäßig etwa gleich häufig beobachtet.

Allergie von Unverträglichkeit unterscheiden

Schon rein sprachlich sollte die Allergie von einer Unverträglichkeit unterschieden werden. Auch medizinisch ergibt es Sinn.

Eine Allergie ist immer eine Überempfindlichkeitsreaktion, bei der das Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt. Im Gegensatz dazu ist die Unverträglichkeit keine Immunreaktion, sondern drückt die Unfähigkeit des Organismus aus, bestimmte Nahrungsbestandteile zu verdauen. Dies kann an fehlenden Enzymen liegen oder an der Intoleranz gegenüber bestimmten Stoffen wie etwa dem Histamin.

So ist die Lactose-Intoleranz eine klassische Lebensmittelunverträglichkeit, die durch einen Mangel an dem Enzym Lactase verursacht wird. Die Gluten-Unverträglichkeit (Weizen-Unverträglichkeit, Zöliakie) steht am Übergang zur Allergie.

Unverträglichkeiten äußern sich primär im Magen-Darm-Trakt in Form von Durchfall, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen. Die Symptome sind sicher lästig, in der Regel aber eher ungefährlich.

Ganz anders dagegen echte Nahrungsmittelallergien, die eine starke Immunreaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen können. Dazu gehören Fischallergien und Nussallergien.

Für diese stark gefährdeten Menschen, in Europa sind es etwa 0,1% der Bevölkerung, gibt es einschlägige Warnhinweise auf Lebensmittelverpackungen, wenn nicht auf dem ersten Blick ersichtlich ist, dass die betroffenen Lebensmitteln Spuren von Erdnüssen, Fischen oder Muscheln enthalten können.

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Fazit

Anders als manche Unterhaltung beim Essen unter Freunden oder Kollegen vermuten lassen könnte, haben wir in Deutschland weniger Lebensmittelallergiker als angenommen. Die Zahl der Menschen mit Lactose-Intoleranz oder Gluten-Unverträglichkeit wird deutlich überschätzt.

Statistik: Stationäre Diagnosen von Laktoseintoleranz in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2016 | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei  Statista

Wer vermutet, an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder -allergie zu leiden, sollte dies frühzeitig ärztlich abklären lassen, allein schon, um nicht unnötigerweise auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten.

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