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Detox- und Entschlackungskuren – Nonsens mit Potenzial für Abzocke?

Detox- und Entschlackungskuren

Ein ganzer Industriezweig hat sich auf Entschlackungs- und Entgiftungskuren spezialisiert und rührt dafür kräftig die Werbetrommel. Die Sinnhaftigkeit solcher Kuren wird dabei natürlich nicht hinterfragt, sondern einfach unterstellt, dass sich Schlacken und Gifte im Körper anreichern würden, die dann mit Säften, Smoothies, Pulvern, Tees und Pillen wieder ausgeschwemmt werden könnten.

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Wenn wir von der Anreicherung von Umweltgiften im Fettgewebe der Menschen einmal absehen, gibt es für die Anreicherung von Stoffwechselschlacken im menschlichen Körper keine belastbaren wissenschaftlichen Belege. Entschlacken und Entgiften würde selbstverständlich nur dann Sinn ergeben, wenn diese Grundvoraussetzung erfüllt wäre.

Die Frage ist also, ob es am Ende der Verstoffwechslung von Lebensmitteln in unserem Körper zu Ansammlungen von Schlacken und Giften kommt, die dann auch noch durch Detox- und Entschlackungskuren wieder ausgeschieden werden könnten.

Entschlackungskuren sind wissenschaftlich nicht relevant

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Einen ersten Eindruck über die wissenschaftliche Relevanz von Detox- und Entschlackungskuren gibt eine Suche in der medizinisch wissenschaftlichen Datenbank PubMed. Der Suchbegriff „Detox“ ergab für die letzten 5 Jahre 133 Treffer, darunter keine klinischen Studien. Wurde im gleichen Zeitraum nach „Detox Diet“ gesucht ergaben sich ganze 10 Treffer, wiederum ohne klinische Studien. Die wissenschaftliche Datenbasis für die 1,8 Milliarden Google-Treffer zum Stichwort „Detox“ ist also ausgesprochen dünn.

Der deutsche Begriff „Entschlackung“ ergibt bei Google immerhin noch 473.000 Treffer. Das englische Analogon „Detoxification“ bringt es dort auf gut 26 Millionen Treffer.

Schon dieser sehr oberflächliche Vergleich von Trefferhäufigkeiten der Begriffe Entschlackung und Detox bei Google und PubMed, zeigt deutlich, dass hinter dem Thema Entschlackungskuren kaum wissenschaftliche Relevanz steht. Dieser Eindruck wird durch eine Literaturrecherche bestätigt.

Kein Wirkungsnachweis durch klinische Studien

Ein im Jahr 2015 veröffentlichter wissenschaftlicher Review (s.u.) beschäftigt sich mit der Faktenlage zu Detoxkuren und kommt zu dem Schluss; dass es sehr wenig klinische Daten gibt, die die Anwendung kommerzieller Detoxkuren unterstützen würden. Und das, obwohl hinter den Produkten eine boomende Detox-Industrie stehen würde.

An dieser Faktenlage hat sich nichts geändert. Es sind seither keine klinischen Studien publiziert worden, die an der praktisch nicht vorhandenen Datenlage etwas ändern würden.

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Schlacken als Stoffwechselendprodukte sind ein Mythos

Verfechter von Entschlackungskuren und Detox-Diäten gehen davon aus, dass als Folge des modernen Lebensstils zu viel Schadstoffe aufgenommen werden, mit denen der körpereigene Stoffwechsel überlastet sei. Deshalb würden sie als Schlacken in Organen und Bindegewebe entsorgt und endgelagert.

Stellt sich somit die Frage, was diese Schlacken sein sollen, wo sie abgelagert werden und ob sie in den entsprechenden Geweben nachweisbar sind oder sichtbar gemacht werden können. Auch hierzu finden sich in der Datenbank PubMed keine Publikationen.

Man kommt also nicht umhin festzustellen, dass Schlacken im Sinne der Befürworter von Detox-Kuren schlicht nicht existent sind und höchstwahrscheinlich im Reich der Mythen beheimatet sind.

Umweltgifte reichern sich in verschiedenen Geweben an

Anders stellt sich die Faktenlage bei Umweltgiften dar, zu denen Schwermetalle ebenso wie Rückstände aus Industrie und Landwirtschaft gehören. Stoffe wie Blei, Quecksilber, Dioxin, PCB und viele mehr reichern sich in der Nahrungskette an und finden sich schließlich in Organen und im Fettgewebe von exponierten Menschen wieder. Nachweisen lassen sich die Giftstoffe mit labordiagnostischen Analysen von Blut und Urin. Im Einzelfall können auch Gewebeproben analysiert werden.

Umweltgifte können in begrenztem Umfang auf natürlichem Wege über Urin und Faeces ausgeschieden werden. Für eine vollständige Entgiftung des Körpers reichen die physiologischen Ausscheidungswege bei hoher Giftstoffbelastung nicht aus.

Stellt sich also die Frage, ob Umweltgifte mit geeigneten Verfahren ausgeschwemmt oder ausgeleitet werden können. Bei akuten Vergiftungen mit Schwermetallen wird die Chelat-Therapie angewandt, mit deren Hilfe wasserlösliche Chelat-Komplexe eines Schwermetalls auf natürlichem Wege über den Urin entsorgt werden. Diese Art der Therapie ist wissenschaftlich belegt. Für Ausleitungen von Umweltgiften und Schwermetallen im Rahmen von Entgiftungsdiäten gibt es keine wissenschaftlichen Belege durch entsprechende klinische Studien.

Bewertung

Für häufig angepriesene Detox- und Entschlackungskuren gibt es weder eine ernährungsphysiologische Notwendigkeit noch ausreichend wissenschaftliche Belege.

Ein gesunder Körper kann sich selbst reinigen und alles was er nicht braucht auf natürlichem Wege entsorgen. Eine gesunde ausgewogene Ernährung unterstützt die natürlichen Ausscheidungswege.


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